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Eigenh. Brief mit U.

Littrow, Karl Ludwig von, Astronom (1811-1877). 2½ SS. auf Doppelblatt 8vo. An einen nicht namentlich genannten Kollegen: "Ich sage Ihnen meinen wärmsten Dank für die interessanten Gaben, mit denen Sie mich letztlich wieder erfreuten, deren eine mich aber zu einer ganz kleinen Bemerkung veranlasst. Bei Ihrer nachgerade notorischen Weihnachtsliebe hoffe ich Ihnen damit nicht unangenehm zu sein. | Sie vindiciren D’Arrest [d. i. der deutsch-dänische Astronom Heinrich Louis d’Arrest] die Priorität der Entdeckung des Zusammenhanges zwischen [folgt die Zeichnung eines Kometen] Biela und den Sternschnuppenfällen von Ende November oder Anfang Dezember. Wenn man sich an die eigentliche, ausgeführte Abhandlung von Weiss [d. i. der österreichische Astronom Edmund Weiss] und deren Erscheinen im Vergleich mit dem Datum von d’Arrets Briefe A. N. No 1633 LXIX. Band p. 10 (1867 Februar 25) hält, ist diess ganz richtig. Allein die vorläufige Anzeige von Weiss über seine Arbeit steht im LXVIII. Bande der A. N. No 1632 p. 381 und ist 1867 Februar 22. datirt also allerdings nur drei Tage aber doch immer älter. Ich finde mich zu dieser Bemerkung hauptsächlich bewogen durch den Wunsch vor Ihnen nicht als österreichischer Chauvinist zu erscheinen, wenn ich in dem Aufsatze, der aus der ‘Wiener Zeitung’ vom 20. Nov. 1872 in viele Zeitungen überging, D’Arrest in zweite Reihe gegen Weiss stellte. | Also nichts für ungut und fein gewogen geblieben [.]". – Littrow trägt in amikalem Ton einen kleinen wissenschaftlichen Disput über die Entdeckung des Zusammenhanges zwischen dem Kometen Biela und einem Sternschnuppenfall im Jahr 1872 aus. Biela war 1826 entdeckt worden und konnte entsprechend der damals berechneten Umlaufzeit 1832 u. a. von John Herschel wieder gesichtet werden. Die Ankündigung dreier von vier bekannten periodischen Kometen zwischen 1832 und 1836 führten in der österreichischen Öffentlichkeit zu düsteren Spekulationen, die Johann Nestroy in seinem "Kometenlied" parodierte. 1845/46 wurde an Biela erstmals das Zerbrechen eines Kometen beobachtet, wobei die zwei Bruchstücke nach der nächsten Sichtung 1852 nicht wieder gefunden werden konnten. Karl Ludwig von Littrow pocht gegenüber dem Empfänger darauf, dass Edmund Weiss, Professor für Astronomie an der Universität Wien, als erster Astronom einen Zusammenhang zwischen periodischen Beobachtungen von starken Sternschnuppenfällen mit dem verschwundenen Kometen hergestellt hat. 1872 konnte diese Annahme bestätigt werden. Der im Brief erwähnte Artikel Littrows in der Wiener Zeitung vom 30. November ist diesem Ereignis und seiner Vorgeschichte gewidmet. – Auf Briefpapier mit gepr. Briefkopf und einer hs. Empfangsbestätigung vom 5. II. 1873.
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Eigenh. Brief mit U. ("Fr. Heinr. Jacobi").

Jacobi, Friedrich Heinrich, Schriftsteller und Philosoph (1743-1819). 2 SS. auf Doppelblatt. 4to. Mit eh. Adresse (Faltbrief). An Friedrich August Carus, dem er vor fünf Wochen durch den Verleger Göschen hat ausrichten lassen, daß er "spätestens in 8 Tagen" antworten wolle: "Daß ich nicht Wort gehalten habe, daran ist Fichte Schuld. Ich erhielt erst 6 Tage nach Ihrem Briefe die Anweisung zum seligen Leben. Nach dem Lesen schien es mir unmöglich zu thun, was Sie von mir verlangten. Die Gründe, warum es mir unmöglich sey, wollte ich Ihnen ausführlich darlegen; und nun, um dieses recht gründlich zu thun[,] zuvor auch noch die zwey andern neuen Fichteschen Schriften lesen. Mit diesem Lesen bin ich bis auf den heutigen Tag noch nicht ganz fertig [.] Wenn es sich mit meinen Augen, die seit 3 Wochen in einem ungewöhnlich hohen Grade krank sind, nur ein wenig beßert, so sende ich Ihnen meinen Aufsatz in der nächsten Woche. Ich setze mich, um diesen Aufsatz zu schreiben, auf den ganz neuen Zweig der dem Fichteschen Baume der Erkenntniß gewachsen ist, und rede von da herunter. Dieser Zweig neuert sich in dem Fichteschen Werke, Trieb oder Standpunkt der wahren und höheren, auch politischen Sittlichkeit. Er hat aus jenem Stamme nicht hervorgehen können; kann sich von seinem Safte nicht nähren und gesunde Früchte bringen. Am merkwürdigsten ist mir gewesen die Ursache, welche Fichte angiebt, warum sein Baum diesen Trieb habe machen müßen. Sie steht in meinem gedruckten Briefe an ihn, wo sie beweist, daß sein Baum nur dürres Holz sey, weil er diesen Trieb nicht mache. Das giebt Fichte gegenwärtig zu; er gesteht, sein Baum wäre allerdings nur dürres Holz, wenn er diesen Trieb nicht machte; aber er mache ihn, und da sey er! – Weiter will ich mir heute nicht vorgreifen, sondern Ihnen nur noch erzählen, daß wir eine Reihe von Schlachten zu erwarten haben zwischen Schelling und Fichte [.]". – Mit kleinem Ausriß durch Siegelbruch (dieses erhalten).
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Eigenh. Brief mit U.

Lott, Franz Karl, Philosoph (1807-1874). 3½ SS. auf Doppelblatt. 8vo. An den Philosophen Robert von Zimmermann (1824-1898) bezüglich seiner Berufung an die Universität Wien und mit einigen persönlichen Anmerkungen zu früheren Kollegen: "Heute endl. ist mir Ihr Anstellungs- resp: Übersetzgs- Decret zugekommen! So lange Zeit brauchte d. Minister zur Erledigg unseres Briefes Antrags v. Anfange des vorigen Sommersamstages! Zwar hofft ich, zwei Prager (nebst Ihnen näml. auch Volkmann) oder Spezial- Collegen zu begrueßen, – u. meine Hoffung war vollständig begründet, wenn nicht V’s Wiederstand selbst diese Hoffung vereitelt hätte. Daß nun die 3te Professur der Philos. noch offen bleibt, wiegt jetzt weit weniger als im vorigen Jahre, da sich die Aussichten später auch diese in vorzügl. Weise zu besetzen, wesentl. gebessert haben dürften. [.] Ich bitte sie, darauf, wie auf Fels zu bauen, daß sie meinerseits nicht bloß auf collegiales Benehmen sondern auch auf die lauterste collegiale Gesinnung rechnen können. Ich verspreche mir auf dieser Grundlage Erheiterung u. Veredlung unseres Berufslebens; mit meinen bisherigen Spezial-Collegen war ich, ohne meine Schuld, ohne erquickl. Verhältniß: Lichtenfels kennen Sie selbst, – u. daß Sie Scherer’s College nicht sein mußten, dazu werde sie sich vielleicht noch gratuliern wenn Sie Näheren erfahren [.]". – Von alter Sammlerhand notiert: "von [.] Zimmermann erhalten 4/97". Vollständige Transkription auf Anfrage.
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Eigenh. Brief mit U.

Kupffer, Adolph Theodor, Physiker und Chemiker (1799-1865). 2 SS. auf Doppelblatt. 4to. Mit eh. Adresse. Informiert Eugène Arnolt über die Sendung der Annalen des physikalischen Observatoriums in St. Petersburg an das römische Generalkonsulat in Paris, bedankt sich für das seiner Publikation in der Zeitschrift des Konsulats ausgesprochene Lob und kündigt die Übersendung weiterer Schriften des Observatoriums an, darunter sein erstes "compte-rendu": "Je viens d’expédier au Consulat général d. Rome à Paris un exemplaire des Annales d. l’observatoire physique central de St. Petersbourg [.] Pour le no de votre journal, qui a été recu [?] le 29 janvier, vous avez bien voulu vous [.] d. ma publication: je vous prie d. recevoir mes remercimen [!] très précieux pour la manière honorable, dont vous en avez parlé. Par ce [.] article, j’ai vu que vous n’avez pas rien quelque vos des derniers volumes d. notre publication: je vous prie d. me faire savoir [.] ce que vous avez rien pour que je puisse prendre les moyens nécessaires pour que tout ce que vous ai envoyé et ce que je vous enverrai encore [.] ne reste [.] dans mes envois. Je vous enverrai dans peu d. jours mon premier compte-rendu, pour l’année 1850, relatif aux travaux exécuté à l’observatoire physique central [.]." – Kupffer lehrte seit 1824 als Professor der Physik und Chemie an der Universität Kasan und wurde 1828 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, die auf seine Anregung hin ab 1830 ein erdmagnetisches Observatorium errichten ließ, dem weitere Observatorien in ganz Russland folgten, die letztendlich ein magnetisch-meteorologisches Beobachtungsnetz bildeten. Die Leitung hatte seit 1843 das physikalische Zentralobservatorium in St. Petersburg inne, dessen Direktor Kupffer 1848 wurde, der seine Lehrtätigkeit noch bis 1851 weiterführte und sich danach ausschließlich der Forschung widmete.
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Eigenh. Brief mit U.

Nachtigal, Gustav, Afrikaforscher (1834-1885). 1 S. auf Doppelblatt. 8vo. Lt. zeitgen. Bleistiftnotiz an einen Baron Hoffmann, wohl der österreichische Diplomat und Reichsfinanzminister Leopold Friedrich von Hofmann (1822-1885): "Da ich nicht das Glück hatte, Ew. Excellenz bei meinem Abschiedsbesuch im Ministerium zu treffen, so nehme ich mir die Freiheit, Ihnen auf diesem Wege noch einmal mein respectvollstes Lebewohl zu senden und zu danken für die freundliche, gütige Aufnahme, welche ich in Wien fand und welche mir den Aufenthalt daselbst stets unvergeßlich machen wird. Ich hoffe, daß mir Ew. Excellenz gestatten werden, in fortlaufender Beziehung mit Ihnen zu bleiben, da Sie Selbst Ihre Aufmerksamkeit dem Erdtheile speziell widmen, dessen weitere Erschließung sich die Deutsche Österreichische Gesellschaft, der ich für das nächste Jahr meine Kräfte widmen werde, zum Ziele gesetzt hat. Ich nehme noch die Gelegenheit wahr, eines früheren Oberlieutenants Krippel, der als Ingenieur verwendet wurde [.], Erwähnung zu tun, der gern nach Egypten übersiedeln und wo möglich in den äquatorialen Ländern verwerthet [!] werden möchte. Er schien mir ein sehr elastischer, energischer Mensch, nicht zu alt und nicht zu jung, zu sein, den man wohl für solche Ziele im Auge behalten dürfte [.]". – Auf Briefpapier mit gedr. Monogramm. – Mit einigen Läsuren, Ausrissen am oberen Rand und kleinen Schmauchspuren.
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Eigenh. Brief mit U.

Nöggerath, Johann Jacob, Mineraloge und Geologe (1788-1877). 3¼ SS. auf Doppelblatt. Folio. An einen namentlich nicht genannten Adressaten, dessen Brief vom 13. des Vormonats er erst jetzt beantworten könne, was in einer äußerst umfangreichen Einleitung umständlich dargelegt wird. "[.] Ich soll Ihnen Rechenschaft geben, wo mein Vortrag über die Trachyte hingekommen ist? Das ist leicht, denn ich habe keinen über diesen Gegenstand in der Sektion gehalten. Zuerst – während meines Präsidiums der Sektion – hatte ich den eigenen Vortrag aus Rücksichten vertagt, und später habe ich ihn aus mancherlei Hindernissen gar nicht gehalten. Er ist auch nicht geschrieben, ich hatte nur mündlich einige Vergleichungen der ungarischen mit den rheinischen Troglodyten aufstellen wollen [.] Nun habe ich ferner auch nach dem Schluße der letzten allgemeinen Versammlung die Dank- und Scheiderede gehalten. Diese habe ich aber gar nicht geschrieben; ich kann sie also auch nicht geben. Sie war herzlich und wohlgemeint, vielleicht nur nicht vollständig genug, und schloß mit einem Sr. Majestät den Kaiser vorgebrachten Lebehoch. Es wird genügen, daß die Rede blos nach ihren allgemeinen Zügen erwähnt wird. Freund Hyrtl wird dazu die Redensarten leicht zu finden wissen. Müßte die Rede durchaus von mir geschrieben seyn, so würde ich um einige Zeilen baldiger Antwort bitten. Ich würde dann suchen, so gut es geht, die Rede aus dem Gedächtniß zusammen zu stoppeln [.]". – Abschließend mit Dank und Gruß an seine Freunde in Wien, namentlich der schon erwähnte Anatom Joseph Hyrtl und der Geologe und Mineraloge Wilhelm von Haidinger.
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Eigenh. Brief mit U.

Menzel, Wolfgang, Schriftsteller und Literaturhistoriker (1798-1873). 3 SS. Mit eh. Adresse (Faltbrief). 4to. Ausführlicher Brief über die Todesstrafe an den Juristen und Autor Heinrich Zöpfl (1807-1877) in Heidelberg: "Ew. Wohlgeboren dürfen überzeugt sein, dass ich Ihnen gerne jeden literarischen Dienst leisten würde, da ich schon längst Ihre wissenschaftlichen Leistungen kenne und verehre. Allein in diesem Falle bin ich anderer Meinung als Sie. Ich halte die Aufhebung der Todesstrafe nicht für einen Fortschritt, sondern nur für ein Experiment. Die Surrogate mißfallen mir mehr, als die Sache selbst. Freien Nationen ziemt öffentliche Züchtigung, öffentliche Hinrichtung. Das in institutionellen Staaten beliebte Beseitigen, Verschwindenmachen, und zu ewiger Untersuchung und Einsperrung Verurtheilen trägt einen despotischen Charakter, ist freien Nationen unwürdig. Der Lupus unserer modernen Freiheitsstrafen ist ein Beweis, wie wenig wir noch die Freiheit zu achten verstehen. Ihre Berufung auf die alten Germanen erscheint mir nicht stichhaltig. Die Germanen hatten keine Gefängniß Strafe, wol aber eine Todesstrafe. Auch verstehe ich die Humanität nicht, die dem Menschen nicht die Haut anregen will und bei dieser sentimentalen Wirklichkeit doch lebenslängliche u. langsam zu Tode marternde Einsperrung in verschwenderischer Menge verfügt. Unsere sogenannte Humanität ist grausamer, als es die sogenannte Barbarei war. Auch die Moral, daß das Leben der Güter höchstes sei, daß ein ehrloses Leben immer noch mehr werth sei, als der Tod, diese Moral macht dem 19. Jahrhundert keine Ehre. Eine Gesetzgebung, welche die Menschen gewöhnt, sich gerne alles gefallen zu lassen, wenn es nur nicht die Haut anregt, nur nicht schneidet und sticht u. weh tut, eine solche Gesetzgebung scheint mir nicht auf der Höhe der Menschheit zu stehen. Raum u. Zeit fehlen mir hier, um Ihnen meine Einwendungen vollständig mitzutheilen [.]". – Etwas gebräunt.